Mythos Authentizität? (Teil 2) 0
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Mythos Authentizität? (Teil 2) 02/05/12

Menschen als Selbstentwickler ihrer Persönlichkeit - worauf man unbedingt achten sollte, um "Oberflächenkosmetik zu vermeiden!


Das macht unsere Authentizität aus!

Die Sozialpsychologen Brian Goldman und Michael Kernis nennen vier Kriterien, die erfüllt sein müssen, damit wir uns als authentisch denkend und handelnd erleben:

  • Bewusstsein: Wir müssen unsere Stärken und Schwächen sowie unsere Gefühle und Motive kennen, also wissen, warum wir uns so und nicht anders verhalten. Erst diese Selbstreflektion ermöglicht es uns, unser Handeln bewusst zu erleben und zu steuern.
  • Ehrlichkeit: Wir Menschen neigen dazu, uns mit einer rosaroten Brille zu betrachten. Die beiden US-amerikanischen Forscher Nicholas Epley und Erin Whitchurch zeigten Menschen Porträtfotos, unter denen sich auch mit Photoshop geschönte Bilder befanden. Dann fragten sie die Versuchsteilnehmer, welches Foto sie selbst im „Original“ zeige. Meist entschieden sich die Probanden für das geschönte Foto. Die anderen Teilnehmer hingegen wurden stets weniger positiv gesehen. Das heißt, bei ihnen bevorzugten die Probanden die ungeschönten Bilder. Fazit: Wer sich selbst authentisch fühlen will, muss der Realität ins Auge blicken und auch unangenehmes Feedback akzeptieren – optisch wie verbal.
  • Konsequenz: Wir sollten nach unseren Werten handeln und gemäß unseren einmal gesetzten Prioritäten – selbst dann, wenn hieraus Nachteile für uns resultieren. Denn kaum etwas wirkt langfristig zerstörerischer auf unser Selbstwert-Gefühl als Opportunismus.
  • Aufrichtigkeit: Natürlich können wir eine Zeitlang ein geschöntes Bild von uns haben. Doch um unserer Selbst willen, sollten wir, wenn es uns um Authentizität geht, die Größe haben, auch unsere negativen Seiten zumindest uns selbst zu offenbaren.

Unsere Authentizität ist ein Selbst-Konstrukt!

Der Moment des Empfindens von Authentizität beginnt also bei uns selbst. Er ist somit ein Selbst-Konstrukt. Ein Selbstkonstrukt, bei dem es nicht um richtig oder falsch, sondern passend oder unpassend geht – Heinz von Foerster und den radikalen Konstruktivisten sei Dank. Und in einem Wechselspiel von Versuch und Irrtum optimieren wir im Verlauf unseres Lebens dieses Selbstkonstrukt immer wieder und entwickeln uns so selbst.

Es geht also bei einem uns nützlichen Verständnis von „Authentizität“ immer um ein intrinsisches Verstehen unseres sich verändernden und anpassenden sowie sterbenden und wieder neu entstehenden Selbst. Nicht einfach nur sein, sondern werden! Das neue Paradigma lautet folglich: „Ich fühle, denke und handle – und so konstruiere ich mein Selbst“

Ist ein solches Verständnis von Authentizität hilfreich für uns als Selbstentwickler? Ja, denn der Abschied von einem statisch verstandenen Authentizität-Begriff hin zu einem dynamischen macht uns den Weg frei. Denn jetzt liegt die Entscheidung bei uns und der Frage: Wie konstruiere und entwickle ich mich in Zukunft so, dass ich

  • ein Gefühl von Liebe zu mir selbst,
  • ein Gefühl von Wertschätzung und Respekt gegenüber meinen Kommunikationspartnern und
  • eine positive Einstellung zu den Aufgaben und Herausforderungen, die auf meinem Weg durchs Leben auf mich warten, habe?

Wie wir zielgerichtet und effizient an der Entwicklung unserer „Persönlichkeit“ arbeiten, das können wir heute vielen Ratgebern entnehmen – sofern uns nicht zum Beispiel ein Coach auf den richtigen Weg führt. All deren Tipps und Ratschläge sind aber nur von Nutzen, wenn wir bereit sind, uns zu verändern. Ansonsten betreiben wir nur Oberflächenkosmetik, denn wir entwickeln nicht unser Selbst.

Hier finden Sie Teil 1 des Beitrags!

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(Bild: © Gerald Bernard – fotolia.com)

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Hans-Joerg Schumacher

Über den Autor

Hans-Jörg Schumacher schrieb 4 Artikel auf Freelancerwissen.

Hans-Jörg Schumacher (1958) arbeitet als Managementberater und -trainer für die Unternehmensberatung Dr. Kraus & Partner, Bruchsal (Internet: www.kraus-und-partner.de; E-Mail: hansjoerg.schumacher@kraus-und-partner.de; Tel.: 07251/989034).


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