Da Medienprodukte generell als Waren oder Dienstleistungen wirtschaftliche Werte darstellen, bilden sie durch die anhaltenden Umsatzsteigerungen nicht zu unterschätzende Wirtschaftsfaktoren(1). Aus dieser Erwartungshaltung lässt sich auch das Interesse an der Verwirklichung hoher Ansprüchen an Qualität und Zuverlässigkeit für einen echten IPTV Dienst erklären. Aus diesen ergeben sich einige zwingende Voraussetzungen, denen einfache Web-Plattformen nicht gerecht werden können.
Die Hochwertigkeit der Dienste, hier insbesondere die Fülle der Angebote und die Zuverlässigkeit der Dienstüberlassung, rechtfertigt in den Augen der Anbieter diese Dienste als nicht frei verfügbare Paid Contents(2) anzubieten, wobei die Prägung des Internets, kostenlose, bzw. werbefinanzierte Inhalte anzubieten, Paid Contents immer auf hochwertige Nischenprodukte beschränken wird.
Grundsätzlich lassen sich drei für IPTV Dienste relevante Geschäftsmodelle benennen.
1. Abonnenmentbasiert
Der Nutzer kann sich nach seinem persönlichen Interessensgebiet ein Programmbouquet zusammenstellen, welches aus einem Mix von Major Content, wie zum Beispiel Sportprogrammen, Unabhängigem Content und Spartensendern zusammensetzt wird. Je nach Ausgestaltung seines persönlichen Programmpakets setzt sich die Abonnementgebühr(3) zusammen.
Diesem Pay-TV Modell steht in der Flächenverbreitung die etablierte deutsche Fernsehlandschaft entgegen, die sich aus dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk und den Privatsendern zusammensetzt. Die Fülle an kostenlosen Programme ist in Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern wie Frankreich(4) so reichhaltig, dass es kaum einen Bedarf für die Konsumenten gibt, dieses Angebot um kostenpflichtige Programme zu ergänzen. Frankreich ist der größte IPTV Markt der Welt – begünstigt durch die Schwäche der anderen Plattformen(5). Die Fülle der frei verfügbaren Programmen in Deutschland – praktisch in jedem Haushalt sind entweder über Breitbandkabel, Satellitenfernsehen oder terrestrisches Digitalfernsehen mindestens 20 TV Programme frei empfangbar – verringert die Kundenakzeptanz für Pay-TV im Allgemeinen und IPTV im Speziellen.
Neben dem Argument interessensrelevante Programmbouquets anzubieten, muss, um die Kundenakzeptanz zu steigern, auch auf technische Überlegenheit gesetzt werden. Hier zeichnet sich die HDTV-fähigkeit des IPTV als überzeugendstes Argument ab(6).
2. Nutzungsbasiert
Nutzungsbasierte Abrechnungsmodelle beruhen darauf, dass nur bei Abruf eines Angebots eine Gebühr fällig wird. Der typische Anwendungsfall für nutzungs-basierte Abrechnungsmodelle ist Video-On-Demand.
Video-On-Demand-Angebote können auf verschiedene Weisen übertragen werden, was einen Einfluss auf die Bewertung des Angebots als IPTV oder einfachen Multimediadienst hat.
a. Download
Die Mediendatei wird vom Server auf die lokale Festplatte kopiert und nach der Übertragung von dort abgespielt. Etabliert hat sich eine progressive Download-Methode, die das Öffnen der Datei bereits vor Beendigung des Downloadvorgangs, nach einer ausreichenden Datenpufferung, ermöglicht(7)
Die Form des Downloads als Video-On-Demand Angebot erfüllt nicht Ansprüche, die an IPTV zu stellen sind. IPTV zeichnet sich durch einen breitbandigen Service aus, der eine unmittelbare online Nutzung des Contents ermöglicht. Genau diesen Anspruch erfüllt das (progressive) Downloadverfahren gerade nicht. Der Download ist hier nur einer von mehreren gleichwertig austauschbaren Verbreitungswegen für die Daten. Es spielt keine Rolle, ob die Daten von einem Server geladen oder von einem sonstigen Datenträger kopiert werden.Steht ein hochwertiger Content erst nach einem Download zur Verfügung, so handelt es sich dabei um einen multimedialen Datendienst – nicht um IPTV.
b. Streaming
Das Streaming verfahren kommt einer „persönlichen“ TV-Übertragung weit näher als die Download verfahren.
Hier wird nach dem Erwerb einer Lizenz das erworbene Programm über das Datennetz „ausgestrahlt“. Der Datenstream wird nicht erst auf einem Speichermedium abgelegt, sondern kann direkt angeschaut werden.
Zur Nutzung von Streaming-Media-Angeboten ist in der Regel auf der Empfängerseite eine spezielle Software notwendig. Diese kann als eigenständiges Softwareprogramm auf dem empfangenden Rechner betrieben oder als Plug-In in den empfangenden Browser eingebunden sein. Die zum Empfang von IPTV üblichen Settop-Boxen stellen die Decoder-Software mittels eines speziellen Hardware-Chips zur Verfügung.
Auch für dieses Verfahren werden Lizenzen mit einer Laufzeit von 24 Std. vergeben. Der Nutzer hat jedoch keinerlei Wartezeit bis der Download abgeschlossen ist. Möchte man das Programm innerhalb der Lizenzzeit erneut anschauen, muss es vollständig erneut gestreamt werden.
Das Streaming verfahren kommt dem individuell gestalteten Fernsehprogramm weit näher, als die Downloadvariante und wird damit zu echtem IPTV gezählt. Allerdings ist hier für eine optimale Qualität ein geschlossenes Netz erforderlich, dessen Bandbreite garantiert werden kann. Bei fluktuierenden Bandbreiten kann es zur Bildung von Artefakten in der Bilddarstellung oder Verzögerungen und Ausfällen während des Programmkonsums kommen kann.
3. Werbebasiert
Werbebasierte Abrechnungsmodelle gehen von der Nutzung neuer Werbeformen, die sich multimedial in das TV – Programm integrieren, aus(8). Zu denken ist dabei an interaktive Werbung, die sich nach Interessen des konkreten Zuschauers richtet.
Neben der Einblendung herkömmlicher Werbespots sind zukünftig Verknüpfungen von Verkaufsinhalten mit konkretem TV geschehen möglich. Noch während des laufenden Programms kann der Zuschauer mit Hilfe einer Zusatzsoftware wie VideoClix(9) Produkte bestellen und weitere Informationen über den gezeigten Inhalt abrufen.
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(1) Fechner, Frank: Medienrecht, 10. Auflage, Tübingen 2009, 1 Rn. 22
(2) Arbeitsgemeinschaft Online Forschung (AGOF) (Hrsg.): Die Zukunft des Internets – Eine Expertenbefragung,
URL: http://www.agof.de/omd-2008-agof-ivw-infonline.download.ad25d6International Telecommunication Union (ITU) (Hrsg.): Proposed Definition and Description of IPTV services for IPTV service scenario,a337f503bc30b3c2fc04b31909.pdf, 2008 [Stand 14.08.2009], S. 24
(3) Eimeren, van, Birgit; Frees, Beate: Nutzungsoptionen digitaler Audio- und Videoangebote – Ergebnisse der ARD/ZDF Online Studie 2009, Media Perspektiven 7/2009, 349 (351)
(4) Deloitte: Next Generation TV – Der Kunde im Zentrum der IPTV-Welt,
URL: http://www.deloitte.com/dtt/cda/doc/content/de_TMT_R_NextGenTV_300408.pdf, 2008 [Stand 20.08.2009], S.6
(5) Deloitte: Next Generation TV – Der Kunde im Zentrum der IPTV-Welt,
URL: http://www.deloitte.com/dtt/cda/doc/content/de_TMT_R_NextGenTV_300408.pdf, 2008 [Stand 20.08.2009] , S. 13
(6) Goetzpartners – Management Consultants: HDTV als Katalysator für IPTV,
URL: http://www.goetzpartners.com/uploads/media/090805_PM_IPTV_Final_01.pdf, 2009 [Stand 19.08.2009] , S.1f
(7) Video-On-Demand. Info – Informationsportal über Video-On-Demand: Pay-per-View, Download to Own, Streaming, URL: http://www.video-on-demand.info/downloadarten.php, 2009 [Stand 20.08.2009], Progressiver Download
(8) Blau, Wolfgang: Ich-TV auf Sendung, Technology Review, September 2006, 78 (79)
(9) Vgl. http://www.videoclix.tv
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