In den Freelancer Wissen Interviews stehen Experten Rede und Antwort zu aktuellen Themen. Diesmal im Gespräch: Textarchitekt Jörg Peter aus Hamburg!
Unser Interview-Partner Jörg Peter lebt und arbeitet seit 2001 als freier Texter und Autor in Hamburg. Der gelernte Redakteur, Marketingmann, und langjährige Mediendokumentar (Kirch-Gruppe) verfasst und optimiert Artikel und Bücher für Unternehmen. Nähere Informationen zu Jörg Peter finden Sie auf seiner Website www.textarchitekt.de und in seinem freelancermap-Profil!
- „Herr Peter, was muss man sich unter einem Textarchitekt vorstellen? Wie kamen Sie zu Ihrer jetzigen Tätigkeit?“

© Jörg Peter
Ich habe den Begriff natürlich aus besonderen Gründen gewählt. Als Textarchitekt entwerfe und errichte ich sozusagen Gebäude aus Text: Mir fiel bei Unternehmenstexten – vornehmlich im Internet – auf, dass zu wenig auf einheitliche Sprachstrukturen geachtet wurde. Bei Bauwerken spricht man von Bausünden, falls sie sich nicht in ihr Umfeld gut einfügen oder – schlimmer – noch nicht einmal eine eigene klare Struktur aufweisen. Ich beseitige oder vermeide daher sozusagen textliche Bausünden. Mein Anliegen ist es, durch einen Schwerpunkt auf homogene Sprachkonsistenz für eine bessere Verständlichkeit der Text-Botschaften zu sorgen. Denn, wenn diese Strukturen konzeptionell zu wenig durchdacht sind, funktioniert die Übermittlung von Inhalten nicht richtig, dadurch ist der Erfolg einer Präsentation von Unternehmen und Dienstleistungen gefährdet.
- „Worin liegt die Besonderheit bzw. Herausforderung, als technischer Redakteur beispielsweise für ein IT-Unternehmen zu arbeiten?“
Eine Schwierigkeit liegt darin, komplexe technische Sachverhalte absolut korrekt auszudrücken und trotzdem verständliche Formulierungen zu finden. Dies ist ein Widerspruch, der sich nur bis zu einem Grad auflösen lässt, ohne entweder die fachliche Präzision oder die Verständlichkeit – für womöglich Fachfremde oder Einsteiger – zu vernachlässigen. Die Herausforderung steigt, wenn (technisches) Englisch übersetzt werden muss.
- „Wo sehen Sie Ihre persönlichen Stärken und Präferenzen in Ihrem Fachgebiet?“
In der Symbiose von fundiertem Marketing/Vertriebs-Know-how in Theorie und Praxis mit meiner redaktionellen Erfahrung als Texter und Fachautor. Ergänzt durch solides Fachwissen in IT und Elektronik. Außerdem fällt es mir leicht, mit möglichst wenig Worten das Wesentliche zu sagen. Bei meiner Arbeit bevorzuge ich Themengebiete, die mich tiefer gehend interessieren. Glücklicherweise bin ich ziemlich vielseitig interessiert, sodass ich selten Aufträge wegen mangelnder Kenntnisse ablehnen muss. Denn ich bin sicher: ohne eigenes brennendes Interesse für eine Thematik kann man nicht fesselnd darüber schreiben.
- „Von Ihnen stammt der Satz „Ein Text sagt mehr als 1000 Bilder“ – Was gehört für Sie zu einem optimalen Text? Was sagt ein korrekt formulierter, treffender und ansprechender Text über den reinen Inhalt hinaus aus?“
Ja, mich störte diese – alles durchdringende – Bildlastigkeit, die in der ursprünglichen Fassung „Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte“ ihren aus meiner Sicht übertriebenen Ausdruck findet. Daher setze ich mit meinem Statement ein Zeichen für Inhalte. Letztlich haben beide Sätze situationsabhängig ihre Berechtigung. Zu einem optimalen Text gehören aufmerksamkeitserregende (Zwischen-)Titel, ein magnetischer Einstieg, eine fesselnde Story und überzeugende Argumente. Ferner eine meist lebendige, immer zielgruppenorientierte Sprache ohne Schnörkel, die so kurz wie möglich und so lang wie nötig auch Kompliziertes verständlich ausdrückt. Für Websites halte ich eine logische und überzeugende begriffliche Text-Struktur mit gerade auch sinnvollen Bezeichnungen in den Navigationsleisten für ebenso unumgänglich wie selten anzutreffen. Über den reinen Inhalt hinaus sagt ein solcher Text, dass hier Profis am Werk sind, die im Sinne der Leser und Kunden effizient arbeiten.
- „Ehrliche Antwort: Wenn Sie sich im Internet umschauen, auf wie vielen Websites würden Sie am liebsten einmal den Rotstift ansetzen?“
Das sind heutzutage immer noch recht viele, obwohl sich Jahr für Jahr höhere Qualitätsstandards bei Unternehmens-Websites feststellen lassen. Allerdings liegt – nach wie vor – das Hauptaugenmerk auf Layout und Grafikdesign. Die Fortschritte bei der Qualität der Inhalte vollziehen sich meines Erachtens deutlich langsamer und in geringerem Umfang. Der Grund ist einfach: Der erste Eindruck ist durch Visuelles schnell zu beeinflussen. Das leuchtet jedem sofort ein. Weil viele die dafür nötigen Techniken nicht beherrschen, sind sie — wohl oder übel — schnell bereit, dafür einen Profi zu beauftragen. Beim Text verhält es sich völlig anders. Schreiben können grundsätzlich irgendwie alle. Doch ich gebe zu bedenken: Selbst wer richtig gut schreibt, kann das noch lange nicht optimal für eigene Themen und Präsentationen. Hier gibt es daher immer noch sehr viel zu tun.
- „Stichwort Internet-Auftritt: Sollten sich Sprache und Stil in Social Media, auf der eigenen Website und in der Kundenkorrespondenz unterscheiden?“
Sicher, das ist ja bereits fast Allgemeingut: Jede Plattform und Zielgruppe braucht Ihren Stil. Was nicht heißt, dass diese Stilformen unvereinbar sein müssen. Die hohe Kunst besteht darin, in allen Kommunikationen mit Interessenten und Kunden einen (bestenfalls) unverwechselbaren guten „Stil des Hauses“ zu bieten. Hinzu kommt aber noch die sehr große Herausforderung, erst einmal konzipierte Kommunikationsstandards auf alle Mitarbeiter zu übertragen. Hier ist – selbst für große Unternehmen – noch ein weiter Weg zurückzulegen. Ich sehe den Hauptunterschied nicht (mehr) zwischen Social-Media und der „traditionellen“ Website. Alles beginnt aber mit stimmigen inhaltlichen Konzepten.
- „Gibt es Aufträge oder Projekte, die Sie besonders geprägt haben?“
Neben meiner Spezialität, komplizierte (meist technische) Inhalte verständlich auszudrücken, schreibe ich gerne über die angenehmen Dinge des Lebens. Für mich sind das unter anderem Musik und Film. Als Filmfan war es für mich etwas ganz besonderes, in den neunziger Jahren für einen Medienkonzern das Team der Filmdokumentation zu leiten. Für das größte Filmarchiv der Welt arbeiten zu können, hat mich sehr geprägt und ich habe dabei nicht nur gelernt, wie viel Spaß Arbeit machen kann, sondern ebenso, dass richtig gute Unterhaltung viel konzeptionelle Arbeit erfordert.
- „Herzlichen Dank für das freundliche Interview, Herr Peter!“
(Titelbild: © nicole01877 – fotolia.com)
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Ein Kommentare zu diesem Eintrag
Einheitliche Sprachstrukturen werden im Marketing-Bereich vor allem durch das Corporate Wording definiert. Deutlich wird das zum Beispiel bei Porsche, die ihre Autos “Sportwagen” nennen, während bei BMW immer vom “Automobil” die Rede ist.
Aber in der Tat gibt es noch wenig Unternehmen, die erkannt haben, dass auch Sprache zum Alleinstellungsmerkmal für ein Produkt, eine Marke oder ein Unternehmen werden kann. Wenn man einen Profi ranlässt …